STUTTGART - CITYREPORT CHAPTER II
Lange angekündigt - nun endlich da: Der zweite Teil des Stuttgart Features. Während der erste Teil die Entwicklung der gebrochenen Beats in Stuttgart bis 2004 umschließt, werden nun die Geschehnisse der letzten beiden Jahre behandelt. Und: Es tat sich Einiges!
Stuttgart Report – Part II
"Let's see what the future brings" – dieser Satz beendete im Frühjahr 2004 den ersten Stuttgart Report. Seit dem ist viel Wasser den Neckar heruntergeflossen, und mehr noch: Seit 2004 passierte in Stuttgart im Bereich der NuBreaks eine ganze Menge. Fristeten die Midtempo Breaks bis dato eher eine Randerscheinung auf House- oder Drum'n'Bass-Partys, so wurde der Stil in den letzten zwei Jahren fester Bestandteil des hiesigen Nachtlebens.
Den Anfang machen die DJs Jay Vee und Piwi, die im Oktober 2004 das Wagnis eingingen und eine monatliche Breakbeat Party namens "Lucky Break" ins Leben riefen. Als Austragungsort konnte der Club Ciné Colibri gewonnen werden, ein ehemaliger Kinosaal. Da jedoch weder die Veranstalter, noch die Clubbetreiber wussten, ob der Sound genügend Anhänger in Stuttgart finden würde, wurde die Partyreihe erst einmal auf drei Monate Laufzeit beschränkt. Hinzu kam, dass die Party Donnerstags stattfand, was die Sache nicht leichter machte. Dennoch wurde die erste Ausgabe ein Überraschungserfolg, und als auch die folgenden beiden Veranstaltungen gut beim Szenevolk ankamen, bekam die Party grünes Licht für weitere Events. Damals standen hauptsächlich lokale DJs an den Plattenspielern, der Sound reichte von NuBreaks über Oldskool bis hin zu Grime und Garage.
Im Februar 2005 gesellten sich zwei neue Breaks-Partys auf dem Stuttgarter Partyprogramm hinzu: Zum einen "2,3 Break!" im Ciné Colibri, veranstaltet von den Soul/Funk/Breaks-DJs Friction & Thorsten W., die alle zwei Monate Freitags stattfand. Zur Premiere luden sich die beiden DJs das Münchner Garden-Team Simon & Garbfunkel ein und landeten damit ebenfalls einen erfolgreichen Einstieg. Zum anderen eine Party, die nach dem Englischen Sender "Breaks FM" benannt und von dem DJ Alvaro Roman ins Leben gerufen wurde, der stilistisch bis dato durch Partys im weitläufigen Electrobereich von sich reden machte. Veranstaltungsort war der damalige Traditionsclub "Le Fonque". Zur Eröffnung lud man die Kosheen DJs Decoder & Substance ein. Doch trotz regem Besucherstrom lag die erste Party weit hinter den Erwartungen von Roman, so dass die zweite Veranstaltung im darauffolgenden Monat März gleichsam die letzte war. Und das, obwohl im März die Dichte an Breakbeat Partys in Stuttgart einen Zenit erreichte, denn zwei weitere Breaksveranstaltungen wurden gelauncht. Im Le Fonque starteten die Stuttgarter DJs DeFux und Lima ihre Reihe "Massive Lounge", die jeden Monat am vierten Donnerstag stattfand, sowie "Breakball". Für "Breakball" taten sich die Ulmer DJs Coldplash und Inuit (bekannt durch ihre Partyreihe "Cut & Run" in Ulm) sowie der Stuttgarter Veranstalter Steffen Luschnitz zusammen und starteten ihre Reihe im Club Dixon Hill.
Ergo: Zu dieser Zeit rappelte es gewaltig im Breakbeat Karton, gleich fünf NuBreaks Partys buhlten um die Gunst der Nightlifer: Massive Lounge, Lucky Break, Breakball, Breaks FM, 2,3 Break. Und es sah gut aus: Die erste "Breakball" mit der Boogie Army wurde ein voller Erfolg, ebenso die erste "Massive Lounge". "Lucky Break" hatte im März 05 rund 300 Besucher zu verzeichnen, und auch die letzte "Breaks FM" Party konnte sich sehen lassen.
Im Mai 05 holten die Jungs von "2,3 Break" erstmals Meat Katie nach Stuttgart und sorgten für einen weiteren unvergesslichen Abend, während bei "Lucky Break" und "Breakball" einmal mehr die lokalen Aktivisten zum Zuge kamen und erfolgreich die Tanzflächen zum kochen brachten. Auch die "Massive Lounge" machte sich durch Bookings wie Ursula 1000 und BushWax schnell einen Namen.
Nach der Sommerpause 2005 rutschte die "Lucky Break" dank dem großen Zuspruch der Clubber aufs Wochenende und versorgte die Szene fortan jeden dritten Freitag im Monat mit der nötigen Portion gebrochener Beats. Bis zum Ende des Jahres spielten dort DJs wie Public, Crash House Brothers, Vela & Ed2000, Soulhunter sowie die Giana Brotherz. Der erste Geburtstag wurde im Oktober in einem rappelvollen Ciné Colibri zelebriert.
Auch die "Breakball" startete voller Elan in die neue Spielzeit. Nach dem ersten Auftakt im September, wo erneut die Boogie Army ein Gastspiel abhielt, wurde im November das Szeneurgestein Tanith eingeladen, im Dezember konnten Aquasky gewonnen werden. Allerdings war für die "Breakball" im Dezember Schluss – Grund waren zurückgegangene Besucherzahlen und Querelen mit dem Club.
Die Reihe "2,3 Break" wurde ebenfalls nach zwei weiteren Ausgaben im Colibri eingestellt. Sollte sich das Blatt plötzlich wenden?
Die im Club Zollamt schon seit Jahren stattfindende Reihe "4 Club", die sich bis dato gänzlich den Stilen HipHop, Reggae und Drum'n'Bass verschrieben hatte, interessierte sich trotz den damaligen Entwicklungen mehr und mehr für NuBreaks. Im Sommer 2005 wurde daher erstmals ein Breaks-Floor "eingerichtet", der von dem Stuttgarter Breakbeat-DJ Bilicious gehostet wurde und fortan einmal pro Monat zum festen Partyinventar gehörte. Bilicious featurte auf seinem Floor lokale DJs wie das Kollektiv Lawnmoaner Beat Productions (LMBP), aber auch nationale Acts wie Giana Brotherz, DJ Public oder Soulhunter. Der Floor wurde schnell zu einer weiteren Anlaufstelle für Offbeat-Liebhaber, jedoch wurde der Floor Mitte 2006 aufgrund von Umstrukturierung seitens der Clubbetreiber gestrichen.
Aktuell sind die verbleibenden regelmäßig stattfindenden Reihen die "Lucky Break" sowie "Massive Lounge".
Die "Massive Lounge" findet nach mehreren Umzügen mittlerweile jeden dritten Donnerstag im Monat in der Stereo Lounge statt und zieht jedes Mal über 100 Besucher an, was im schwierigen Stuttgarter Nightlife eine kleine Sensation ist. Dieser Entwicklung ist es zu verdanken, dass nun auch diese Partyreihe in Kürze auf das Wochenende rutscht.
Und auch die "Lucky Break" erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. 2006 konnten so illustre und manchmal auch überraschende Gäste wie Marusha, Baobinga, Circuit Breaker, Boogie Army, Superstyle Deluxe, Smash FX und andere gewonnen werden. Im November 2006 feiert die Reihe ihren zweiten Geburtstag, zu dem die beiden Herren Smiley & PJ der Londoner Legende Shut Up & Dance erneut eingeladen wurden, nachdem sie schon im Februar 06 das Colibri und dessen Besucher in Grund und Boden rockten.
Neben den regelmäßigen Veranstaltungen gibt es immer noch einzelne Event, die sich den Breaks verschrieben haben: Das "Breakbeat Camp", veranstaltet von den Partycrews der "2,3 Break", "Breakball" und "Lucky Break" etwa findet zweimal pro Jahr im Club Rocker 33 statt und bietet lokale Power pur. Auch die Drum'n'Bass-Sause "U-Turn" und deren kleine Schwester "Tycoon" in der Röhre haben ein Herz für NuBreaks und lassen in regelmäßigen Abständen den dritten Floor von lokalen Repräsentanten beschallen.
Weitere Höhepunkte waren unter anderem Leeroy Thornhill und Boogie Army im Rocker 33, wo einmal mehr die Stuttgarter Feiergemeinde bis weit in den Vormittag in einem bis zum Anschlag gefüllten Club das Tanzbein schwang.
Eines ist in jedem Fall sicher: In den letzten beiden Jahren haben sich die Midtempo-Breaks in Stuttgart etabliert. Und doch heißt es wieder einmal: Let's see, what the future brings...