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FIASKO - CHEWING THE FAT!

Plötzlich war sie da- die erste Chew The Fat!-Party in Berlin. Eine Art Breaksveranstaltungs-Franchisesystem, welches niemand Geringeres als Fat!-Labelmastermind Paul Arnold in 10 Jahren um den Globus getragen hat, um den Sound und die Marke Fat! mit der Welt zu teilen. Verantwortlich dafür sind Chris und Con, die nun schon zahlreiche Parties dieser Art erfolgreich in Berlin über die Bühne gebracht haben. In einem Interview geben sie uns einen Einblick, wie sie die Feiergemeinde zu Breaks konvertieren möchten.

Fiasko Fat-Logo

Chris, wo kommst du ursprünglich her und was hat dich nach Berlin verschlagen?

Chris: Ich komme eigentlich aus London und bin im Sommer letzten Jahres nach Berlin gezogen. Ich habe 2004 ein Austauschjahr an der TU gemacht, musste dann aber zurück nach London, um mein Studium abzuschliessen. Aber nachdem ich den Sommer hier verbracht hatte, fühlte ich mich sehr zu dieser Stadt hingezogen und wollte unbedingt hier leben. Das ist eigentlich eine lange Liste von Gründen, aber hauptsächlich sind es die ganzen neuen Sounds, neue Leute, und die vielen großartigen Partylocations hier gewesen, die mich gefesselt haben.
Ich hätte wahrscheinlich auch in London diese ganzen Sounds hören können, aber nicht mit denselben Leuten drum herum wie in Berlin. London ist wohl der überschätzteste Ort, indem ich meine Zeit verbracht habe, alles ist irgendwie zu verfahren und eingeschränkt im Vergleich zu hier.

Und Con, du kommst aber aus Berlin?

Con: Ich bin nicht in Berlin geboren, das war in der Nähe von Köln. Ich wuchs bis zu meinem 14. Lebensjahr in Deutschland auf, bevor ich dann mit der Hälfte meiner Familie nach London zog. Ich studierte auch in England und traf dort Chris an der Uni. So gegen Ende der Studienzeit wollte ich dann was in Richtung Medien machen, und dachte mir, dass es nicht das Richtige für mich sei, in London die Karriereleiter raufzuklettern. Also entschied ich mich, nach Deutschland zurückzukehren, und Berlin schien mir da der einzig geeignete Ort. Viele meiner Freunde und Familie leben hier, und ich war seit '99 so gut wie jeden Sommer hier. Dabei habe ich es immer genossen, vor allem die Clubszene über die Sommermonate.
Die Sache ist, dass man sich hier sehr viel mehr als Individuum fühlt als in London. Und natürlich fühle ich mich auch etwas fremd, zuhause in Berlin zu sein, und so war das auch immer seit meinem ersten Besuch.

Und was sind eure ersten Schritte in Sachen elektronischer Musik gewesen?

Con: Ich bin relativ spät zur elektronischen Musik gekommen. Ich mochte zwar immer das Zeug von Prodigy oder Fat Boy Slim, aber es fing für mich erst richtig an, als ich begann, in London wegzugehen. Davor stand ich eher auf Rock und auch sehr auf Hip Hop, ich hatte sogar Ambitionen als MC und produzierte Tracks mit Kumpels in London. Als ich meine Plattenspieler bekam, kaufte ich immer noch eine Menge Hip Hop- überwiegend den klassischen East Coast-Kram, aber auch Neues wie El-P, RjD2 und ich mochte auch UK-HipHop wie Braintax, DJ Format, Lewis Parker, Skitz usw.
Aber das auf Parties zu spielen, langweilte mich schnell, da ich nie genug geübt habe, um ein guter Turntablist zu sein. Aber ich mochte es, Musik zusammen zu stellen, und so war der Schritt zu Breakbeat ganz natürlich, denn es werden viele Stile aus verschiedenen Genres über einen gebrochenen Beat kombiniert. Durch die ganzen Berlin-Aufenthalte, mochte und kaufte ich auch vermehrt Techno und Electro. Heutzutage ist mein Geschmack sehr breit gefächert- von düsterem Minimal-Stuff zu Electro-House, Breaks und Techno.

Chris: Ich kaufte mit Zeug von Prodigy, Fat Boy Slim und den Chemical Brothers, nachdem ich so etwas schon sehr zeitig im Radio hörte. Aber ich habe auch mitbekommen, dass dies nicht die einzige Art elektronischer Musik war, denn ich hatte ja meine 9 Jahre ältere Schwester, die damals in Nottingham studierte, wo eine große Progressive-House-Electro-Szene war, als ich so um die 13 Jahre gewesen sein musste. Ich mochte diese ambient-mässigen Sounds auf den Tapes sehr, die sie im Haus so rumliegen hatte. Woran ich die besten Erinnerungen habe, ist "Northern Exposure 2"- eine Mix-CD, die Sasha gegen `97 gemacht hat. Das war nicht so ein Zeug, für das er heute bekannt ist, und das ist immer noch mein liebster DJ-Mix. Ein wenig cheesy, aber sehr sweepy und breaky mit Tracks von Hybrid, Fluke, Gus Gus etc. Das hat mich in Richtung Breaks gebracht und ich fing an, mehr Compilations auszuchecken und viel Musik zu kaufen.
Mit 15 habe ich dann endlich meine Plattenspieler bekommen und während der Clubnächte, die ich besuchte, formte sich auch mein Geschmack. Ich kaufte nur sehr rauen Drum'n'Bass wie Ray Keith, Bad Company, Twisted Anger etc., bis ich dann auf der uni bemerkte, dass ich nicht 10 Stunden solch wütende Musik hören wollte, wenn ich ausging. Von da an kaufte ich Vinyl aus allen Fächern des Recordshops- einfach alles, was mir so zu Ohren kam. Außerdem habe ich eine Affinität zu deutschem Techno, denn der musikalische Inhalt und die Qualität der Produktionen von Labels wie Bpitch, Kanzleramt, Zenit, Spielzeug, Systematic usw. hat mich ziemlich umgehauen.

Wie seid ihr dann zu "Fiasko" zusammen gekommen?

Chris: Wie gesagt, wir trafen uns bereits an der Uni. Es war der technische Part der Londoner Uni und eigentlich der am weitesten abgelegene, den es gab. Das war bei Staines, was international eigentlich nur als die Heimat Ali G's bekannt ist. London war mit dem Zug ca. 40 Minuten entfernt, und da gab es keine Clubs in der Gegend. Also brachten wir Parties über die Studentenvereinigung an den Start, und hatten ein Radioshow, spielten auf Houseparties usw.
Allerdings startete Fiasko erst durch unsere Parties in Berlin. Man braucht da einfach einen Firmennamen und etwas, das man sich in Klammern hinter den DJ-Namen schreiben kann. Wir dachten uns, Fiasko wäre passend.

Wie kam es schliesslich zur Fat!-Connection?

Chris: Es war regelmässig der Fall, dass man morgens 7:30 mit vielen anderen Leuten nach der Chew the Fat!-Party auf den Zug nach Staines wartete. Con promotete die Partyreihe ein wenig. Dann lernten wir Paul kennen. Und da ich ohnehin ständig in Berlin war, und Paul in ganz Europa seine Nächte machte, dachten wir, man könnte ja gemeinsam an so etwas arbeiten. Für mich als Besucher gab es oberflächlich gesehen keine wirkliche Breaksszene in Berlin, und wo immer ich spielte, mochten die Leute den Sound, und so dachten wir, dass man das Fat!-Partyfeeling hierher holen müsste.

Kannst du uns was zum Arbeitsablauf einer Chew the Fat!-Party erklären? Wie habt ihr euch das aufgeteilt in Berlin und London?

Paul hat uns richtig mit den Breaks-Bookings ausgeholfen, da er ja so ziemlich die ganze UK Breaks-Szene kennt und das ja auch schon eine Weile macht. Manche Flyer für das Café Moskau waren die selben wie für's The End in London. Die wurden von "deletelondon.com" gemacht, und wir bekamen auch Hilfe mit Presse, Stickern, Platten und alldem. Der Berliner Part sucht das Line Up für den Technofloor aus, macht die anderen Breaks Bookings, Pressearbeit, Leute davon überzeugen, dass sie was neues probieren sollten und das vielleicht ja auch mögen, selbst wenn sie keinen der Namen auf dem Breaks-Line Up kennen... es eben einfach alles anschieben. Natürlich auch ordentlich Party machen, um die Szene "auszukundschaften", und eben der eher nervige Teil, Plakate im Winter anzubringen.

Wie waren eure Impressionen zur ersten Party im Café Moskau? Wo gab es Probleme, was lief großartig?

Chris: Also um gleich zum Punkt zu kommen, hat uns die erste Party gelehrt, nicht zu frech an so was ranzugehen. Wir waren ziemlich überzeugt davon, dass sich die Besucherzahl von 700+ im The End auf Berlin in einer Art Schnellerfolg adaptieren lässt. Wir sind noch nicht lang genug hier gewesen, um die Berliner Clubstruktur in dem Maße verstehen zu können, wie wir das mittlerweile tun. Ich sah das WMF, Die Bambi Lounge etc. und das Moskau schien dasselbe Profil wie The End zu haben- ein Ort, wo die Leute zum Party machen hingehen, und nicht nur wegen der Musik, auch wenn diese großteils fantastisch war.
Nach der ersten Party im Moskau mussten wir feststellen, dass die Leute doch nicht so willig gewesen sind, was Neues auszuprobieren, wie wir uns das zuerst dachten. Und die Gründe, warum das Moskau sonst immer voll gewesen ist, lagen einfach darin, dass eine Menge harter Arbeit dahinter steckte, und nicht nur dieser schicke Club. Immerhin hatten wir aber über 300 Leute auf der ersten Party, also war es keineswegs ein totaler Flop. Aber wir blieben beharrlich und konzentierten uns darauf, neben dem Breaks-Floor vor allem mit einem starken Techno-Line Up aufwarten zu können, und so wuchs das Ganze... die Breaks-Heads waren schon da, aber Leute aus anderen Szenen würden wegen Künstlern wie Oliver Koletzki oder so kommen und die halbe Nacht unten im Breaks-Bereich verbringen und mehr davon hören wollen.

Nun musstet ihr allerdings die Location wechseln...

Chris: Wir mussten nicht. Aber wir dachten, uns dass es nötig wäre. Es war einfach Zeit für einen Wechsel. Das Moskau war weniger frequentiert in der ersten Hälfte in 2006 und war nicht mehr die reguläre Partylocation. Die Leute sahen es nicht mehr als regelmäßigen Club, sondern es wurden mehr Konzerte gemacht, dann das ganze Puma-Ding während der WM, und das 103 hatte mehr experimentelle Sachen seit der Eröffnung gemacht, vor allem mit UK Sounds. Und da wir wussten, dass Breaks immer noch neu für die Leute waren bzw. sind, hielten wir das für eine gute Entscheidung.
Das neue Soundsystem im Main Room war auch ein wichtiger Faktor, da es wirklich gut zu der Musik kommt, die wir auf Fat!-Parties spielen. Wir hatten einige richtig gute Veranstaltungen im Moskau, aber nach dem Erfolg der ersten Session im 103 war da keine Frage mehr offen.

Und wie denkst du, seid ihr bisher mit Chew The Fat! gefahren? Wie habt ihr die Sache über die letzten Monate und von Party zu Party wachsen sehen?

Chris: Wir sind mit dem, wie es läuft, sehr zufrieden. Jede Party ist größer als die Vorangehende, und das ist insofern gut, weil wir dann gleich mehr in die Nächste investieren können. Es ist großartig, Leute buchen und treffen zu können, die einige der besten Tunes in deinem Plattencase gemacht, und dir damit schöne Zeiten beschert haben.
Gegen die Übermacht an Minimal Techno-Nächten hier in der Hauptstadt anzukommen, mit einer Nacht, die mit so unterschiedlicher Musik von Set zu Set und Floor zu Floor aufwartet, ist schon cool- denn solche Nächte gibt es nicht oft. Ich möchte dahin kommen, dass wir mehr von den Headliner-DJs und –Acts buchen können, die wir mögen. Allerdings sind die DJ-Gagen der UKler sehr hoch, und da hängt es davon ab, Chew the Fat! in Berlin weiter gedeihen zu lassen. Ich denke, die Leute wollen etwas Neues hören- gerade im Bezug auf den letztjährigen Minimal-Hype. Und da gibt es Leute, die benso Breaks und Techno/Minimal auf einer Nacht hören wollen, so wie wir. Also ist unser Timing ganz gut, denke ich.

Was ist euch wichtig im Bezug auf die Line Ups, und gibt es noch andere essentielle Dinge, die eine gute Party für euch ausmachen?

Chris: Die Line Ups lehnen sich direkt an unsere musikalischen Vorlieben und dem, was wir auch auflegen an. Wir buchen Acts, die wir einfach haben die Scheisse wegrocken sehen auf Parties in ganz Europa, oder die genau solche Tracks produzieren, die du automatisch als gekauft ansiehst, sobald du die Nadel das erste Mal auf die Platte wandern lässt. Es ist auch ein Bonus, Leute am Start zu haben, die ihr neues material spielen, damit die Leute mitkriegen, was gerade Neues bei denen am Kommen ist.
Wir sind total besessen von der Musik, wenn wir weggehen, aber bekommen auch mit, dass dies nicht für Jeden so ist. Wir vermuten, wir haben es ganz gut hinbekommen, was Chew the Fat! seit den Anfangstagen in der Brixtoner "Bug Bar" erfolgreich gemacht hat. Nicht nur fette Tunes, sondern eine anspruchsvolle Party mit einer durchmischten Crowd. Und um ehrlich zu sein, sind abgesehen von Chew the Fat! zu viele Breaks-Parties in London männerdominiert und es wird nur auf den DJ geschaut, anstatt mal ausgelassen mit den Ladies zu tanzen!

Was sind eure weiteren Rezepte, um Breaks hier an den Mann/die Frau zu bringen?

Chris: Den Leuten die Chance geben, Breaks auf einer fetten Anlage zu hören, während sie trotzdem auf dem Nachbarfloor die Gelegenheit haben, etwas gewohntere Klänge zu hören. Breaks in unsere Mash Up-Sets zu bringen, wenn wir irgendwo spielen. Ich denke, mehr Breaks-Parties überall verteilt würden helfen, das Genre zu definieren, denn die Presse bringt z.B. Drum'n'Bass und Breakbeat immer noch durcheinander und man landet im falschen Raster. Wir versuchen auch, Breaks-Artists ein wenig mehr Presse zu bescheren, wenn sie hier rüberkommen, um für uns zu spielen.

Wie stellst du dir die Zukunft mit Chew The Fat! vor, wird es auch Projekte darüber hinaus geben?

Chris: Ich denke, dass wir momentan nicht auf lange Sicht abschätzen können, wo es in längerer Zeit hingehen wird, da sich dafür allein schon die Clubszene Berlin viel zu sehr bewegt und sich ständig verändert. Aber im Moment sieht es doch positiv aus. Ich hoffe, dass Chew the Fat! einen ähnlich festen Stellenwert in der Clubszene bekommt, wie es in London der Fall ist. Es gibt keinen Grund, warum das nicht so sein sollte. Nach 10 Jahren wächst Fat! immer noch. Es wäre schön, eine monatliche Nacht zu haben, und ich denke, das wäre der nächste Schritt.
Wenn das im 103 so gut weiterläuft, wird es bestimmt so passieren. Was Fiasko betrifft, so werden wir neben der Auflegerei überall wohl auch mehr Parties machen. Nicht dasselbe wie mit Chew the Fat! vielleicht, aber in ebenso interessanten Locations, checkt einfach restrealitaet.de im Sommer!

sencha, 18.01.2007 17:41
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